Die Revolution der Haushaltsroboter

KI // Wenn Sie denken, mit einem Staubsauger-Roboter sind Sie der Zukunft schon sehr nahe, dann werden Sie sich wundern, was wir Ihnen zu erzählen haben. Auch einige Expert*innen haben uns im Interview gezeigt, was die Zukunft bereithält. Vielleicht befindet sich ja bereits ein Roboter in Ihrer Wohnung oder Firma: Fast unbemerkt bewegt er sich durch die Räume, erschreckt eventuelle Haustiere und automatisiert nebenbei eine urmenschliche Tätigkeit, die Sie vorher wahrscheinlich selbst übernommen haben. Und noch dazu lässt sich der Roboter von Ihnen regelmäßig warten und evtl. sogar von Etage zu Etage tragen, und doch ist er aus vielen Haushalten nicht mehr wegzudenken.

Die Roboter könnten die Kontrolle übernehmen und einen Punkt erreichen, an dem sie selbst produzieren können.

Was war Ihr erster Gedanke, woran haben Sie gedacht? Wenn Sie Roboter zuerst mit Industrierobotern und dem Verlust von Arbeitsplätzen verknüpft haben, dann sind Sie damit wahrscheinlich nicht allein. Doch letzteres entspricht in der Industrie nicht einmal der Realität: Roboter ersetzen in den meisten Fällen keine ganzen Jobs, sondern einzelne Tätigkeiten und sind dabei so spezifisch konzipiert und programmiert, dass ihnen jede Job-Rotation schwerfallen dürfte. Genau wie unserem Staubsauger-Roboter, der mit unebenen und vertikalen Flächen bisher noch seine Probleme hat, obwohl Sie diese Aufgabe sicher auch gerne abgeben würden. Welche zusätzliche Unterstützung können wir also in Zukunft im Haushalt erwarten – einer Umgebung, in der niemand um die eigene Verdrängung durch Technologie bangen muss?

 

Zwischen Automation und intelligenter Hilfe

Vielleicht kennen Sie den Robo-Koch von daVinci Kitchen, einem Startup unseres Inkubators 2b AHEAD Ventures. Vielleicht haben Sie sogar schon eines der automatisch zubereiteten Nudelgerichte probieren können und waren neidisch als Sie das Maß an Perfektion und Geschwindigkeit mit Ihrer letzten eigenen Kocherfahrung verglichen haben. Dieses Gefühl ist nicht unbegründet, doch das erklärte Ziel des Startups ist die Automatisierung der Gastronomie und weniger der Einsatz in privaten Haushalten – außer Sie würden Ihre Ernährung gerne vollständig auf Pasta umstellen. Funktionell ähnlich gibt es auch Kochroboter für den Privatgebrauch wie Oliver von Else Labs, die den Kochprozess für eine Vielzahl an Gerichten automatisieren und die einzelnen Zutaten selbständig zum richtigen Zeitpunkt hinzufügen können. Die mitunter anstrengenderen Nebentätigkeiten wie die Auswahl des Gerichts, das Schneiden der Zutaten oder das Aufräumen des Arbeitsplatzes liegen jedoch weiterhin bei Ihnen.

Das Problem liegt, wie so häufig, in der Komplexität: Was Ihnen zwar lästig erscheint aber leichtfällt, stellt die Robotik bisher vor fast unlösbare Aufgaben. Jede Küche sieht anders aus, jedes Gemüse ist anders geformt und jeder Mensch hat eigene Vorlieben, was z. B. den Geschmack und das System beim Einräumen der Spülmaschine angeht. Doch Prof. Dr. Tamim Asfour vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sieht diese Komplexität – im Rahmen eines Interviews für eine aktuelle Zukunftsstudie – auch als etwas Positives: „Der Fokus meiner Forschung liegt auf der Entwicklung von Robotersystemen, die Menschen im Haushalt assistieren, da es hier eine besondere, vielleicht die größte, Vielfalt an Aktivitäten und Handlungsabläufen gibt. Systeme, die all diesen Herausforderungen der vielfältigen Aktivitäten im Haushalts, speziell der Küche, gewachsen sind, lassen sich hervorragend auf andere Arbeitsumgebungen oder Tätigkeitsbereiche adaptieren.“

Hand Mensch vs. Roboter

Zwischen Wissenschaft und Praxis

Asfour leitet am KIT den Lehrstuhl für Hochperformante Humanoide Technologien und forscht in diesem Kontext bereits seit vielen Jahren an Haushaltsrobotern. Der Unterschied zu den meisten anderen Projekten wird jedoch auf den ersten Blick klar – der Roboter mit dem Namen ARMAR-III, dessen Entwicklung bereits im Jahr 2006 begann, ähnelt bis auf einen Unterkörper auf Rädern einer menschlichen Statur. Und das ist laut Asfour kein Zufall: „Haushaltsroboter der Zukunft zeichnen sich dadurch aus, dass sie so vielseitig sind wie wir Menschen. Die humanoide Ausprägung dieser Roboter ist auch vorteilhaft und naheliegend. Denn wir kennen keine Körperform, die besser geeignet wäre als die menschliche, um sich in Umgebungen zu bewegen, die für den menschlichen Körper geschaffen und konzipiert ist. Auch die Werkzeuge, die wir verwenden, sind für uns Menschen optimiert, für unsere Hände, unsere Körpermaße – aus diesem Grund lassen wir uns gerne inspirieren vom Aufbau und dem Bewegungsverhalten des menschlichen Körpers und entwickeln humanoide Assistenzroboter zur Unterstützung im Alltag.“

Vielseitigkeit heißt in diesem Fall die Spülmaschine einzuräumen, den Tisch zu decken, aufzuräumen, zu bügeln und vieles mehr. Dafür findet sich ARMAR-III selbständig in der Küche zurecht und lernt fremde Umgebungen kennen, indem er Menschen bei ihren Tätigkeiten beobachtet. Kommuniziert wird über Gesten und Sprachbefehle, was auch zukünftig das Interface der Wahl bleiben wird. Doch wie weit ist zukünftig weg? „Bis zur Fertigstellung eines universellen Assistenten müssen wir uns noch mehrere Jahrzehnte gedulden. Roboter mit spezifischen Funktionalitäten jedoch sind bereits in etwa 5 bis 10 Jahren realistisch, insbesondere wenn die Arbeit auf diesem Gebiet durch nachhaltige Investitionen unterstützt wird, um die Forschung maßgeblich voranzutreiben.“, so Asfour.

Derzeit würden u. a. Technologiekonzerne über die nötigen Mittel verfügen. Auf der diesjährigen Consumer Electronics Show hat Samsung mit den Robotern Care und Handy erste eigene kommerzielle Lösungsansätze für die Komplexität in der Küche präsentiert. Während Care rein begleitend mit Bildschirm und einigen interaktiven Eigenschaften funktionieren wird, soll Handy bereits eine*n Partner*in im Haushalt darstellen. Wie es hier der Name verrät, soll der Roboter selbst Hand anlegen und aufräumen können. Auch Amazon arbeitet bereits seit einigen Jahren am Projekt Vesta, einem Haushaltsroboter, der jedoch am ehesten einen Amazon Echo auf Rädern darstellen und somit dem Samsung Care ähneln wird. Arbeiten die Technologiekonzerne hier vielleicht am Problem vorbei?

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